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Der Maler Sebastian Stief

Der Maler Sebastian Stief wurde am 16. Januar 1811 in Tengling geboren. Man kann zwar in einigen Quellen finden, dass Tengling zu der Zeit noch Teil des ehemaligen Fürsterzbistums Salzburg gewesen sei (vermutlich wird dabei die Angabe im "Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“ von 1879 übernommen), die Ortschaft gehörte aber seit dem 30.09.1810, wie das gesamte ehemals fürstbischöfliche Gebiet, bereits zu Bayern. Weil er den größeren Teil seines Lebens in Salzburg verbrachte und dort auch seine bekanntesten Werke schuf, darf er aber natürlich trotzdem als Salzburger Künstler gelten.

 

Der Sohn eines Schneiders zeigte schon früh Interesse und Begabung für die Kunst und er kam zum Unterricht nach Traunstein zum Maler Johann Baptist Neumüller. Sein Talent bestätigte sich offensichtlich und er konnte mit 17 Jahren an die Akademie der Bildenden Künste in München wechseln. Von 1828 bis 1832 studierte er unter anderem bei Cornelius, Schnorr und Zimmermann. Die Ausbildung ermöglichte er sich bereits durch eigene künstlerische Tätigkeiten. Im bereits genannten "Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“ von 1879 heißt es dazu: "Besonders arbeitete er Bildnisse en miniature mit dem Silberstifte. Diese Manier war zu jener Zeit sehr beliebt und ersetzte so zu sagen die heutigen Lichtbilder. Da er sehr glücklich im Treffen war, rasch arbeitete und durch sorgfältiges feines Coloriren den störenden Glanz solcher Bilder beseitigte und ihnen überdies dadurch ein gefälliges, frisches Aussehen gab, war er, besonders in höheren Kreisen, sehr gesucht und viel beschäftigt. Selbst von Seite des königlichen Hofes erhielt der junge Künstler Aufträge, so vollendete er unter anderen die Bildnisse eines Sohnes und zweier Töchter des Königs Ludwig, wie auch jenes ihres damaligen Erziehers Oettel, nachmaligen Bischofs von Eichstädt.“

 

Als Porträtmaler war er nach seiner Akademiezeit für kurze Zeit auch in Regensburg und Passau tätig, bevor er ab 1833 vorübergehend eine völlig andere berufliche Laufbahn einschlug. Er erbte nämlich in Seekirchen am Wallersee von einem Onkel eine Blechspielzeugmanufaktur, die er anscheinend auch recht eifrig und anfangs erfolgreich betrieb. 1838 gab er das Geschäft aber auf. Ob die Entscheidung durch die billigere Konkurrenz der industriellen Spielzeugherstellung aus Nürnberg bedingt war oder durch den Drang, sich wieder künstlerisch zu betätigen, mag dahingestellt sein. Er zog jedenfalls nach Salzburg und heiratete Marie von Naumann, die aus einer angesehenen Salzburger Familie mit künstlerischen Vorfahren stammte. Die Beziehungen seiner Frau waren sicher nicht nachteilig, sein Talent und sein Können trugen aber mindestens genauso viel dazu bei, dass er schnell zu einem der meist beschäftigten Porträtmaler Salzburgs wurde. Zusätzlich bekam er reichlich Aufträge aus dem kirchlichen Bereich. Tätig war er unter anderem in den Klöstern Hohenfurth, Kremsmünster, Reichersberg und Lambach und in vielen Salzburger, aber auch bayerischen und oberösterreichischen Pfarrkirchen. Er setzte dabei in Nachfolge seines Münchener Lehrers Julius Schnorr von Carolsfeld dessen neugotischen, nazarenischen Stil in Altar- und Wandbildern um.

 

Insgesamt soll er mehr als 820 Gemälde, davon 555 Porträts, geschaffen haben. Seine bekanntesten Werke sind die beiden religiösen Historienbilder "Des hl. Rupertus Ankunft im zerstörten Iuvavum“ und "Der hl. Virgil als Erbauer des Salzburger Domes“ für das erzbischöfliche Palais. 1846 porträtierte er den "Stille Nacht“-Komponisten Franz Xaver Gruber, das Motiv wurde 2007 zum 220. Geburtstag des Musikers auf einer Sondermarke der Österreichischen Post abgedruckt. In der Tenglinger Kirche stammt das Bild im Seitenaltar von ihm. Zu Füßen der Jungfrau Maria findet sich hier eine Ansicht Tenglings, auf der der Kirchturm noch die alte, barocke Turmhaube hat. Auch die Bilder in den beiden Seitenaltären in Maria Burg stammen von ihm, er malte sie 1855 und 1856 für jeweils etwa 100 Gulden. Und auch das Altarbild in der Gessenhausener Kapelle ist eines seiner Werke, er ist also in seiner Geburtsgemeinde angemessen vertreten. Sebastian Stief verstarb am 29. Juli 1889 in seinem Haus in der Salzburger Altstadt in der Pfeifergasse 4, begraben ist er im Salzburger Kommunalfriedhof. In Salzburg ist heute die Sebastian-Stief-Gasse in der Nähe seiner ehemaligen Wohnung nach ihm benannt.

 

2015 zusammengefasst für www.taching.de von Dr. Ludwig Haas