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Der Schriftsteller Eckart Peterich

An der Südseite des Tachinger Friedhofes liegt der Schriftsteller, Lyriker und Journalist Eckart Peterich begraben, zusammen mit seiner Frau Berthe, einer Malerin und Graphikerin. Eckart Peterich hat sich durch sein Wirken nicht nur internationale Beachtung erarbeitet, sondern auch die Kulturpolitik der Bundesrepublik in den Nachkriegsjahren mit beeinflusst. Er lebte in seinen letzten Lebensjahren in Taching am See, die Verbindung zu unserer Gemeinde bestand über die Bekanntschaft mit der Familie Sattler in Grendach.

 

Geboren wurde Eckart Peterich am 16. Dezember 1900 in Berlin. Er hatte über seine Familie von Anfang an kulturelle Anregung, sein Vater Paul Peterich war ein bekannter Bildhauer. Er besaß ein Haus in Florenz, so dass der Sohn seine Kindheit zum einen in Hellerau bei Dresden und zum anderen in Italien verbringen konnte. Auch die Zeit des Zweiten Weltkrieges verbrachte er in Italien, beruflich war er später als Journalist auch in Genf und Athen tätig. Ab 1959 leitete er die deutsche Bibliothek in Mailand, ein Jahr später wechselte er in selber Funktion nach Rom. Nach Deutschland zurück kam er 1962 als Programmdirektor der Goethe-Institute in München, eine Tätigkeit, die er nur kurz ausübte. Seit 1963 lebte er als freier Schriftsteller in Taching am See. Ein dauerhafter Wohnsitz in Taching am See blieb Eckart Peterich versagt, dem geplanten Bau eines Hauses kam sein Tod zuvor. Die erste Planung, ein Umbau des Wirts-Zuhauses in Hörgassing war vom weltbekannten Architekten Le Corbusier geplant, aber vom Landratsamt nicht genehmigt worden. Am 13. April 1968 verstarb er in Florenz an einem Krebsleiden.

 

Heute nicht mehr gedruckt werden die lyrischen Werke Eckart Peterichs, die 1967 zusammengefasst im Band "Gesammelte Gedichte“ veröffentlicht wurden, ein Teil davon war schon 1949 anonym unter dem Titel "Sonette einer Griechin“ erschienen. Publiziert hatte er seit den späten dreißiger Jahren in verschiedenen Bereichen, so erschien zum Beispiel 1937 ein Buch "Kleine Mythologie. Die Götter und Helden der Griechen“. Die Zeit wirklich überdauert haben aber nur die drei Bände seines Italienführers, die zwischen 1958 und 1963 erschienen und heute noch erhältlich sind. Daneben arbeitete er auch als Übersetzer aus dem Italienischen und Spanischen, unter anderem mit einer Übertragung der "Göttlichen Komödie“ von Dante ins Deutsche. Dazu kamen zahlreiche Arbeiten für den Rundfunk, etwa eine Bearbeitung des Faust, die der Bayerische Rundfunk zeitweilig als österliches Festprogramm sendete.

 

Die Bedeutung Eckart Peterichs unterstreicht ein Beileidsbrief, den der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke an seine Witwe Berthe schrieb:

An Ihrem Schmerz um den Tod Ihres verehrten Gatten nehme ich herzlichst Anteil. Ich spreche Ihnen und Ihren Angehörigen mein Beileid aus. Eckart Peterich hat als Schriftsteller und Direktor der Deutschen Kulturinstitute in Mailand und Rom sich hohe Verdienste um ein besseres Verstehen und eine verständnisvolle Freundschaft zwischen Deutschen und Italienern erworben. Sein Tod ist ein Verlust für beide Nationen, die ihm als geistigen Mittler Dank schulden.

In tiefem Mitgefühl, Heinrich Lübke, Präsident der Bundesrepublik Deutschland

 

Natürlich schreibt auch Pfarrer Mehler in "Bunte Blätter aus Heimat und Kirche Taching a/See, Teil II" über den bekannten Bürger:

Auch Eckart Peterich dürfen wir zu den Freunden Tachings zählen, wohnte er doch eine zeitlang in Grendach, dem Landsitz der Familie des Herrn Sattler. Beide Persönlichkeiten waren verbunden durch ihre gemeinsame Aufgabe, in der Nachkriegszeit deutsche Kulturzentren im Ausland, besonders in Italien, einzurichten und zu fördern. Ich lernte Herrn Peterich in Grendach kennen, und er war so freundlich und hat mir gleich ein kleines Werk seiner Übersetzungen aus dem Italienischen überreicht. Von Grendach aus, mit seiner Höhenlage, bietet sich dem Beschauer das einmalige Panorama von See und Landschaft bis tief in den Rupertigau. So verstehen wir auch, dass der Dichter und Schriftsteller Peterich sich in Taching ein dauerndes Domizil bauen wollte und hat deshalb vom Maierbauer Paul Schmid, Hörgassing, bei dem er einige Zeit in Miete war, ein entsprechendes Grundstück erworben. Aber es kam anders. Er starb mit 68 Jahren am Karsamstag 1968 in Florenz, der Stadt seiner Kindheit und Jugend. Sein Grab befindet sich an der Südseite des Tachinger Friedhofes und hat ein schmiedeeisernes Kreuz.

 

Dieser Artikel wurde 2001 von Dr. Ludwig Haas für die Gemeindemitteilungen verfasst.