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Die Kirche Mariae Himmelfahrt in Burg bei Tengling

Die Kirche Mariae Himmelfahrt über der Ortschaft Burg liegt auf einem Moränenhügel, der nach Süden, Osten und Norden steil abfällt, während er von Westen her leicht zugänglich ist. "Der Anblick ist entzückend und bezaubernd. Es gibt wohl wenige Kirchen- und Burgenanlagen, die sich mit Maria Burg messen können" (Burger, S. 26). Die für eine Dorfkirche bedeutenden Ausmaße der Burger Kirche deuten bereits darauf hin, daß sie eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte war. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert zogen die "Frauenfeste", an denen die Wallfahrt am Patroziniumstag mit einem Ablaß verbunden war, viele Menschen an. Am stärksten war der Volkszulauf an Bittagen: Am St.-Georgs-Tag (23. April) pilgerten die Gläubigen der Pfarrei Waging, am St.-Markus-Tag (25. April) die der Pfarrei Palling, in der Bittwoche vor Christi Himmelfahrt die der Vikariate Tettenhausen und Törring sowie der Pfarrei Palling, am Samstag in der Pfingstwoche sogar die Marienverehrer aus dem oberösterreichischen Ostermiething und Tarsdorf nach Burg. Bemerkenswert ist auch die vollständig erhaltene Umfriedung der gesamten Anlage durch eine Bruchsteinmauer.

 

Ihre Lage verdankt die Kirche dem altbayerischen Grafengeschlecht der Tenglinger. Graf Friedrich von Tengling, aus der Sippe der Sighardinger stammend, erbaute um das Jahr 1060/70 auf Eigengut die Burg Tengling in Burg, die für zwei Generationen zum Stammsitz der Herren von Tengling wurde. Bereits im Jahr 1115 erlischt der Name Tengling in den Urkunden, während das Grafengeschlecht bis zu seinem Aussterben (1164) unter der Bezeichnung Herren von Burghausen weiterlebt. Die Burg Tengling und weitere Güter fielen an das Kloster Michaelbeuern (bei Salzburg), das die Sighardinger Grafen gestiftet hatten und das ihnen als Haus- und Grablegekloster diente. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde die Burg Tengling entweder zerstört oder aufgegeben. Bei genauer Betrachtung und in Luftbildaufnahmen läßt sich auch heute noch die Dimension der Anlage erkennen: Wo heute die Kirche steht, lag der Kernbereich der Burg, während sich nach Westen zu zwei Vorburgen im Gelände abzeichnen. Bei den letzten Restaurierungsarbeiten 1982 entdeckte man im Langhaus der Kirche Fundamente der ehemaligen Tenglinger Stammburg.

 

Im Zusammenhang mit der Errichtung der Burg der Grafen von Tengling ist sicherlich auch eine Burgkapelle geweiht worden. Nach ihrer Zerstörung wurde aus den Resten der Burg vermutlich noch im 12. Jahrhundert eine neue Kirche gebaut, die als "ecclesia sancte Marie in Tenglingen . . . capella cum pertinentiis suis" (Kirche zur Hl. Maria in Tengling . . . Kapelle mit Grund) durch Urkunden der Päpste Innozenz III. (1213) und Gregor IX. (1232) mit dem Marienpatrozinium als Besitz des Klosters Michaelbeuern bestätigt wird. Noch im 12. Jhdt. erhielt das Kloster die Betreuung verschiedener Pfarreien zugesprochen, darunter auch Tengling, das Mönche aus Michaelbeuern versorgten, die vermutlich in der Mönchspoint (Point = eingezäuntes Grundstück) unterhalb der Burg Törring bei Haus lebten. Die Herrschaftsrechte über die Kirche zu Burg gingen wie diejenigen in Tengling in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts vom Stift Michaelbeuern an die adlige Familie der Törringer über, die von 1328 bis zur Revolution von 1848 Herren der Vereinigten Hofmark Törring - Tengling waren. Das Gotteshaus in Burg jedoch lag außerhalb des Hofmarksbezirks und gehörte von 1818 bis 1834 zur Gemeinde Törring. Erst 1864 kam es zur neugebildeten Gemeinde Tengling. Eigentümerin der Kirche war die Kirchenstiftung Burg, die auch eine eigene Verwaltung besaß.

 

Maria Burg bildete früher einen umfangreichen Kirchenbezirk, der neben Tengling auch Teile der heutigen Gemeinden Taching am See und Palling umfaßte. Dies wird durch den Umstand bewiesen, dass viele umliegende Ortschaften bis ins 19. Jhdt. hinein in Burg das Kirchweihfest feierten und dass diese Orte bei Sterbefällen den Burger Mesner die Totenglocke läuten ließen und ihm alljährlich eine bestimmte Zahl von "Läutgarben" (Getreidegarben) ablieferten. Der Filialbezirk Burg umfaßte die Ortschaften Burg, Bermoos, Fisching, Haseneck, Mönchspoint, Stecken, Steineck und Wimpasing. Die Totenglocke läutete für die Einwohner der Orte Bromberg, Einöd, Hörgassing, Limberg, Mauerham, Mollstätten, Pertenham, Salling, Schönhofen, Schröckenbauer, Sicharting und Weitgassing in der Pfarrei Taching, für Hechenberg, Lampertsham, Reitmayr, Schwank und Unter- und Mitterroidham in der Pfarrei Palling. Die Burger Sterbeglocke läutete darüber hinaus für Assing, Buchberg, Eging, Grendach, Gröben, Haunerting, Hirschpoint, Moosmühl und Obertaching. Außerdem stand dem Mesner in Burg das Läuten der Sterbeglocke und der Bezug von Läutgarben im ganzen Vikariat Tengling zu.

 

Betritt man die Kirche durch die Vorhalle, so erblickt man rechts eine Marmortafel, die an den verheerenden Brand am 17. Mai 1532 erinnert, dem der wohl romanische Vorgängerbau zum Opfer fiel. Dieser wurde ersetzt durch die heutige Anlage, die im Stil der Spätgotik erbaut wurde. Der Hochaltar des Gotteshauses stammte wie derjenige in von St. Coloman aus der Werkstatt des Laufener Malers Gordian Guckh, wobei nicht nachzuweisen ist, ob er bereits in der abgebrannten Kirche gestanden hatte. Es existiert jedoch ein Nachweis, daß die Erben des Malers einen Prozeß anstrengten, weil im Jahre 1543 der Kaufpreis des Altars noch nicht beglichen war. Im Turm trägt die größere der beiden Glocken die Jahreszahl 1534. Über die verschiedenen Stilepochen hinweg wurde die Inneneinrichtung der Kirche dem wechselnden Geschmack angepaßt. In der Barockzeit gab man dem Gotteshaus eine völlig neue Ausstattung. Die spätgotische Gottesmutter-Figur wurde, wie erhaltene Votivbilder beweisen, mit wechselbaren Kultgewändern ausgestattet. Erhalten ist aus dieser Zeit noch das Weihwasserbecken aus rotem Ruhpoldinger Mamor mit der Inschrift 16 A IHS F 20. Im Jahre 1797 fertigte der in Burg ansässige Bildhauer Mathias Hörmann einen neuen Altar, dem der alte Barockaltar weichen mußte. Die Muttergottesstatue blieb jedoch weiter das Ziel der Wallfahrt.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Burger Kirche in großer Gefahr abgebrochen zu werden. Den Ideen der kirchenkritischen Aufklärungszeit gemäß fasste das Salzburger Konsistorium, das schon 1787 einige Votivbilder beanstandet hatte, den Beschluß, in allen Pfarreien die Filial- und Nebenkirchen zu sperren und eingehen zu lassen. So war die Burger Kirche 15 Jahre lang geschlossen, und der Landrichter in Tittmoning schlug der inzwischen zuständigen Königlich Bayerischen Regierung vor, die "alte, überflüssige und baufällige Feldkapelle" abzubrechen. Diese Pläne scheiterten am Widerstand der Bevölkerung und am Einspruch des Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I.

 

Die Kirche Mariae Himmelfahrt in Burg ist ein stattliches Gotteshaus im Stil der Spätgotik. Sie ist 34 Meter lang und 12 Meter breit. Das Langhaus mit sechs Jochen und steilem Dach ist 20 Meter hoch. Der Chorraum ist stark eingezogen und niedriger als das Langhaus. An die Südseite sind spätere Anbauten gefügt, die Vorhalle und die etwas störende Sakristei von 1840. Der Turm hat eine Höhe von 37 Metern. Dem unteren spätgotischen quadratischen Stumpf ohne Geschoßunterteilung wurde 1721 ein barockes Oktogon (Achteck) mit einer formschönen Zwiebel aufgesetzt, in den Urkunden "Turm-Gepay" genannt; es kostete 801 Gulden. Künstlerisch wertvoll ist die große barocke Figurengruppe an der äußeren östlichen Schmalseite des Gotteshauses. Bereits 1797 erhielt die Kirche einen Blitzableiter. 1871 wurde die barocke Rundform der Fenster auf der Südseite gotisiert. Die Nordseite ist heute noch ohne Öffnung, die genaue Betrachtung zeigt jedoch, dass hier eine Türe und ein Rundfenster zugemauert worden sind (1871). 1878 deckte der Zimmerermeister Niederwinkler aus Waging den Turm mit Scharschindeln für 388 Mark neu ein; derselbe Meister erbaute 1881 das bestehende Portal für 3082 Mark.

 

Im Vorraum der Kirche bemerkt man zur rechten Seite die eingelassene Tafel mit der Inschrift: Hoc templum igne celesti succensum exustum in omibusque periit 17. Maji 1532 (Diese Kirche ist durch Feuer vom Himmel angezündet, ausgebrannt und vollständig zugrunde gegangen am 17. Mai 1532). Die drei Wappen darunter weisen auf den damaligen Salzburger Erzbischof Matthäus Lang (1519 - 40) hin. Das linke Emblem zeigt einen stilisierten Pfeil, das mittlere eine Lilie, das rechte einen fliegenden Falken mit Krone, Ring und Halsband, was auf die Grafen von Plain hinweist, die in Tengling begütert waren; Plain gehörte seit 1275 zum Erzstift Salzburg. Betritt man das Gotteshaus durch das steingefaßte Portal mit der uralten Eichentüre, so erblickt man einen großügigen einschiffigen Kirchenraum.

 

"Das Innere kennzeichnen zunächst die niedrige Proportion und das Absetzen des Chors. Breite Wandpfeiler gliedern die Mauer. Ihnen sind Runddienste mit profilierten Kapitellen vorgelegt. Von diesen steigen die Rippen auf, die sich im Chor sternförmig, im Langhaus netzartig, aber mit Jochunterteilung verbinden. Im Langhaus sind sie etwas dünner als im Chor. Dienste und Rippen sind rosa gefärbt. Die Fenster besitzen im Chor und im Langhaus dieselbe Größe. Die Nordwand ist fensterlos. Eigenwillig gestaltet sind die Arkaden der unteren Empore. Einem breiten, gedrückten Korbbogen schließt sich beiderseits je ein Kielbogen an. Den Stützpfeilern sind schmächtige Dienste vorgelegt. Auf der Brüstung befinden sich zum Teil freigelegte Vierpaßfelder. Die Unterwölbung der Empore schmücken Netzrippen. Die obere Empore wurde erst 1870 hinzugefügt. Dies alles zeigt ein zähes Festhalten an längst üblichen Bauformen und keinerlei Aufkommen von neuen Ideen." (H. Weiermann, S. 176)

 

Die Kirche Mariä Burg ist im Laufe ihrer Geschichte mehrmals umgestaltet worden. Die ursprüngliche spätgotische Ausstattung wurde im 17. Jhdt. durch eine barocke ersetzt. 1797 unterzog der in Burg ansässige Kunsttischler und Bildhauer Mathias Hörmann, Schüler und Werkstattnachfolger des bekannten Tittmoninger Bildhauers Johann Georg Itzlfeldner (1704/05 - 90) die Burger Kirche einer gründlichen Restauration im Stil des Spätbarock. Er fertigte einen neuen Altar mit einem Muttergottesbild für 1247 Gulden an. "Das Bild war nach dem Geschmack der damaligen Zeit schön gekleidet; das kostbarste Kleid hatte 200 Gulden gekostet. Je nach der kirchlichen Zeit wurde die Bekleidung gewechselt. Der Rock war in die Breite ausgespannt. Dem Haupte fehlte die unvermeidliche Perücke nicht" (Ertl, S. 173). Der Chronist Ertl berichtet weiter, es habe große Kämpfe gekostet, diese "Puppe" zu entfernen, als um 1870 der akademische Bildhauer Franz Xaver Hörmann (1822 - 1896), ein Enkel des oben erwähnten Bildhauers, ein neues Gestaltungskonzept im Stil der Neugotik für die Burger Kirche verwirklichte. Die Bauern wandten sich bei Gelegenheit einer Firmung sogar an den Erzbischof, aber ohne Erfolg.

 

Das alte, im Volk verehrte Gnadenbild fristete zunächst ein unbeachtetes Dasein, bis es schließlich nach 1900 von Pfarrer Mayer an einen Münchner Privatsammler verkauft wurde. Sein weiterer Verbleib ist unbekannt. Mit ihm erlosch auch die früher rege Wallfahrt nach Mariä Burg. Im 20. Jhdt. wurde das Gotteshaus zweimal gründlich restauriert; in der Amtszeit von Pfarrer Joseph Kislinger legte 1954 der Kirchenmaler Gschwendtner aus Karlstein bei Bad Reichenhall die wertvollen Freskomalereien frei und restaurierte sie meisterhaft. Unter Pfarrer Walter Laakmann wurde die Kirche 1982 einer aufwendigen Sanierung und Modernisierung unterzogen.

 

Der neugotische Hochaltar mit Flügeltüren und geschnitzter Madonna wurde 1871 vom Burger Bildhauer Franz Xaver Hörmann und von den Malern Stiefenhofer, Scheitzach und Fürst für 4173 Mark angefertigt. Der Altarschrein ruht auf einer Mensa mit hoher Predella und ist mit einem architektonischen Rahmen aus freistehenden Fialen versehen, die mit Masswerk und Krabben verziert sind und in einer Kreuzblume enden. Unterhalb des Gesprenges erblicken wir im Zentrum des Altars die Statue im Stil einer Schönen Madonna, die vor einem Strahlenkranz als Symbol Jesu Christi, der Sonne der Gerechtigkeit, steht und das Jesuskind hält. Zum Zeichen ihrer Herrschaft trägt Maria, die Königin des Himmels, eine Krone und das Szepter, der Gottessohn einen vergoldeten Reichsapfel. Maria ist in einen blauen Mantel als Symbol des Sternenhimmels und der immerwährenden Treue gekleidet. Das Gnadenbild flankieren zwei geflügelte priesterliche Engel in liturgischen Gewändern. Die Reliefbilder in den beiden Altarflügeln zeigen Szenen aus dem Leben Mariens. Das Bild auf der Innenseite des - vom Kirchenschiff aus gesehen - linken Flügels stellt die Verkündigung Mariens durch den Erzengel Gabriel dar. Es ist von künstlerischer Extravaganz insofern, als nicht nur der Hl. Geist in Gestalt der Taube, sondern auch eine männliche Figur, die wohl Christus darstellt, vor dem goldenen Hintergrund vom Himmel schwebt. Diese ungewöhnliche Darstellung hat ihren Grund wohl in der Symmetrie zum Bild des rechten Innenflügels, der die Himmelfahrt Mariens zeigt, die über einer Gruppe von Aposteln aus dem offenen Grab nach oben schwebt. Auf den Außenseiten der Flügel findet sich je ein gemaltes Ölbergbild.Die kleinen Figuren im Giebel stellen von links Sta. Barbara, St. Michael und Sta. Katharina dar. Die Figuren der Heiligen Franz Xaver und Virgil in den Seitenfilialen sind seit einem Einbruch im Jahre 1981 verschollen.

 

Auch die beiden Seitenaltäre wurden 1981 beraubt. Sie sind Alterswerke Franz X. Hörmanns aus dem Jahre 1894, der dafür je 1446 Mark berechnete. Beide Ölbilder waren ursprünglich in den früheren Barockaltar eingefügt gewesen. Im Altar auf der Evangelienseite (vom Betrachter aus gesehen links) stellt das zentrale Ölgemälde im Nazarenerstil Christus am Kreuz dar; es stammt vom bekannten Tenglinger Maler Sebastian Stief (1811 - 1889), der es im Jahre 1855 für 100 Gulden fertigte. Die ursprünglichen Schnitzfiguren, den Hl. Korbinian und zwei Engel darstellend, sind verschollen. Der Altar auf der Epistelseite (rechts) zeigt als Ölgemälde die Geburt Christi, gemalt von S. Stief im Jahr 1856 für 100 Gulden. Der Altar ist dem Hl. Georg geweiht. Eine früher in die Mensa eingelassene Portatile wurde entfernt. Die geschnitzten Nebenbilder stellten St. Rupert und zwei Engel dar; sie wurden eine Beute der Kirchenräuber.

 

Von besonderer kunstgeschichtlicher Bedeutung sind in der Burger Kirche die Wandmalereien, die wohl aus der Zeit um 1600 stammen. Sie waren lange unbekannt geblieben, da der Tenglinger Maler Rauchensteiner im Jahre 1891 die Kirche für 1500 Mark "ausgemalt", also getüncht hatte. Erst im Jahre 1954 legte der Kirchenmaler Gschwendtner die bedeutenden, zarten Freskomalereien frei, die seither einen besonderen Anziehungspunkt darstellen. Über dem Chorraum erblicken wir in den Feldern des Netzrippengewölbes ein Orchester mit 13 musizierenden Engeln, von denen jeder ein anderes Instrument spielt, während die Zwickel zwischenden Rippen mit weiteren 14 kleineren Engeln und Ornamenten ausgemalt sind. Voller Schwung und Bewegung nehmen sie als Hofstaat teil an der Verehrung der bräutlichen Himmelskönigin Maria. "Die Ausgestaltung eines ganzen Chorgewölbes nur mit Engeln ist ungewöhnlich und präsentiert sich in Burg in einer großen Lebendigkeit" (Y. Schmidt, S. 223). Weitere Fresken, wohl aus der zweiten Hälfte des 17. Jhdt., finden sich an den Wänden des Gotteshauses. An der rechten Seite des Chorraumes sehen wir die Himmelfahrt Mariens: Von Putto-Engeln getragen, schwebt sie zum Himmel, während die Apostel andächtig oder staunend um den offenen Sarkophag stehen. Daneben erblicken wir eine Darstellung der Krönung Mariens: überstrahlt vom Hl. Geist in Gestalt der weißen Taube schweben zwei kleine Engel mit einer Krone vom Himmel, während Gottvater mit Herrscherschwert und Weltkugel und Christus mit dem Kreuz des Erlösten sich zur Krönungszeremonie bereiten. Maria ruht auf einer von Engeln getragenen Mondsichel als Symbol für ihre Herrschaft über die Gestirne und für ihre makellose Reinheit. An der Nordwand des Langhauses fällt eine seltene Schutzmantelmadonna auf: Im Spitzbogen erblicken wir Gottvater mit der Weltkugel, Pfeile auf die sündige Menschheit schleudernd, im Mittelteil Christus mit dem Kreuz und der Dornenkrone, der um Gnade bittet; rechts stehen die Salzburger Schutzheiligen St. Rupert (+ um 720) mit dem Salzfaß und St. Virgil (*784) mit dem Modell des Salzburger Doms. Im unteren Teil des Freskos ist Maria als Königin mit der Krone abgebildet, die ihren weiten Mantel schützend über die Menschheit breitet, welche in ihren verschiedenen geistlichen und weltlichen Ständen dargestellt ist. Die rechte Seite des Mantels hält Petrus (mit dem Himmelsschlüssel), die linke St. Paulus (mit dem Schwert). Diese späteren Fresken erreichen jedoch nicht ganz die Qualität der früheren im Chorgewölbe.

 

Von der einstmals barocken Ausstattung haben sich als Überreste noch Gemälde erhalten. Das große Ölbild Mariä Himmelfahrt an der Nordwand der Kirche ist eine frühere Hochaltartafel im emphatischen Stil des Barock. Links daneben hängt eine spätere Auferstehungsdarstellung, die zu einem jetzt entfernten Bruder-Konrad-Altar gehörte. Die Statue des Auferstandenen rechts neben der Kanzel wurde später in die Kirche übertragen. Darüber findet sich das Bild der göttlichen Dreieinigkeit, das ebenfalls vom letzten Barockaltar stammt. Das Gemälde über dem Eingangsportal, das die Marterung des Hl. Sebastian darstellt, ist ein ehemaliges Altarbild der St. Sebastianskirche zu Salzburg, das durch eine Schenkung des Salzburger Eisenhändlers Anton Haaslauer 1843 nach Burg gelangte. Das Bild trägt links unten die Inschrift: Franz Zebhauser. Pinxit (gemalt) 1821 und ist eine gute Kopie nach dem italienischen Meister Tiepolo.

 

Das früheste Werk F. X. Hörmanns in der Burger Kirche ist die Kanzel, die er 1855 fertigte. Sie wurde vom Tenglinger Maler Baumgartner sehr gut gefaßt und kostete 949 Mark. Die alte Barockkanzel von 1756 aus der Werkstatt des bedeutenden Tittmoninger Bildhauers Johann Georg Itzlfeldner (1704/05 - 1790) ist leider nicht erhalten geblieben. Der Kreuzweg aus dem Jahre 1860 stammt aus der Mayerlschen Kunstanstalt in München; er kostete 1234 Mark. Die zwei Fenster im Chorraum wurden 1885 bei Zettler in München für 600 Mark angekauft. Die Bilder stellen die vier Evangelisten dar. 1838 wurde der Musikchor auf beiden Seiten erweitert. Die jetzige Ogel mit neun Registern wurde 1850 von Orgelbauer Wagner in Glonn für 530 Gulden angekauft. Die beiden Glocken erklingen in den Tönen as und c. Die größere (as) mit etwa 650 kg Gewicht trägt die Inschrift: "O + maria + orate (betet) + pro + nobis mdxxiv (1534) + hans + schuhpeck + purger + zu + purkhausen" und zeigt die Madonna mit dem göttlichen Kind. Die kleinere wiegt etwa 400 kg; sie ist ohne Inschrift.

 

Von der Geschichte der Wallfahrt legen die Votivbilder Zeugnis ab, die sich in Resten noch ehalten haben; der größte Teil ist sicherlich verdorben oder abhanden gekommen. 1787 wurden im Rahmen einer Visitation die Votivbilder durch die geistliche Obrigkeit beanstandet; eine Anna-Selbdritt-Figur mußte entfernt werden. Heute sind nur noch 15 Bilder vorhanden, wovon das älteste aus dem Jahre 1723, das jüngste (und am schlechtesten erhaltene) von 1898 stammt. Die Votivtafeln wurden auf Initiative des Tenglinger historischen Vereins restauriert. Einige Tafeln aus dem 19. Jhdt. werden dem Tenglinger Maler Mathias Baumgartner zugeschrieben. Abgesehen von ihrer kulturhistorischen Bedeutung läßt sich auf diesen Votivbildern ein Eindruck vom Aussehen des verschollenen barocken Gnadenbildes gewinnen: Maria steht auf einer Weltkugel; gekleidet in ein reiches Kultgewand mit weitem Mantel, die Krone auf dem Haupt, hält sie in der linken Hand das Szepter, in der rechten den gekrönten Gottessohn, der einen kleinen Reichsapfel trägt. Auffällig ist allerdings der Wandel um 1800: Während auf den Bildern des 18. Jahrhunderts Maria den linken Arm anwinkelt, trägt sie ihn seit 1797 gestreckt, wie die Tafel von 1803 beweist. Offenbar zeigt hier die überlieferte Neugestaltung des Altars, die Mathias Hörmann vornahm, ihre Folgen.

 

Literatur
Burger Max: Wallfahrtsstätten im Inn- und Salzachgebiet, Mühldorf 1960.
Ertl Matthias: Historische Nachrichten über Tengling (handschriftlich), Tengling 1900.
Hirsch Stefan: Trachtendarstellungen auf Votivtafeln in Mühlberg und Burg. in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, V: Der nördliche Rupertiwinkel, Trostberg 1990, S. 335-336.
Hörmann Ludwig: Die Biberschwell und ihre Beziehungen zur Burg Tengling. in: Das Salzfaß. Vereinsblatt der Heimatfreunde des Rupertiwinkels, Laufen, 3.-5. Jahrgang, 1924-1926.
Müller Siegfried: Tengling - Geschichte eines Dorfes im Rupertiwinkel, Tengling 1990.
Reindel-Schedl Helga: Laufen an der Salzach. Historischer Atlas Teil Altbayern, Heft 55, München 1989.
Roth Hans: Wallfahrtsstätten. in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, V, S. 303-334.
Schmidt Heinrich und Margarethe: Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, München 1981.
Schmidt Yvonne: Die Ausstattung der Kirchen. in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, V, S. 201-260.
Schroll Meinrad: Die Filialkirche St. Maria zu Burg in der Pfarrei Tengling (maschinenschriftlich), Tengling o. J.
Weiermann Herbert: Die Kirchenbauten. in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, V, S. 151-200.


Der Text basiert auf dem von Siegfried Müller aus Tengling geschriebenen Kirchenführer.